Adrian Wüthrich

Interview von Michèle Nufer

Was ist für dich wichtig im Umgang der Menschen miteinander?
Mir ist wichtig, dass die Menschen in Frieden, ohne Gewalt und mit Respekt miteinander umgehen. Freundlichkeit ist ebenso wichtig wie Solidarität und gegenseitiger Respekt. Unkompliziert und ehrlich soll der Umgang auch sein.

Wer ist für dich ein grosses Vorbild?
Der verstorbene SP-Ständerat Ernst Leuenberger. Er war mein Mentor und hat mich immer unterstützt. Kennengelernt habe ich ihn als er im Dezember 1997 als frisch gewählter Nationalratspräsident in seinem Heimatort Ursenbach feierlich empfangen wurde. Rund vier Monate referierte er an der Gründung der SP Walterswil, an welcher ich mit 17 Jahren zum Sektionspräsidenten gewählt wurde. Ich durfte dann während rund vier Jahren neben dem Studium als sein parlamentarischer Assistent arbeiten. Damals lernte ich den Parlamentsbetrieb im Bundeshaus sehr gut kennen. Diese Erfahrungen haben mir den Start im Nationalrat sehr erleichtert.

Welche Veränderungen in der Gesellschaft machen dir Mut?
Die Klimadebatte. Wir müssen umdenken. Ich bin froh, dass der Ständerat nun ein griffigeres CO2-Gesetz beschlossen hat. Damit auch kommende Generationen einen lebenswerten Planeten haben, müssen wir den Temperaturanstieg stoppen und die Ziele vom Pariser Klimaabkommen erfüllen. Für mich ist die Förderung des öffentlichen Vekehrs als Service public eine wirksame Massnahme, um den CO2-Ausstoss zu minimieren.

Wie steht es aus deiner Sicht um die Demokratie in der Schweiz?
Ich erachte den Zustand unsere Demokratie immer noch als sehr gut. Jüngstes Beispiel ist der Rekord an Kandidaturen für den Nationalrat. Ich wünschte mir, dass die jüngere Generation stärker eingebunden werden kann. Stimmrechtsalter 16 befürworte ich auch weiterhin. Durch die neuen digitalen Möglichkeiten werden wir jedoch herausgefordert. Während grosse Verbände ihre interne Demokratie leben, agieren Einzelpersonen mit Hilfe von unterstützenden Personen via Internet. Jüngstes Beispiel ist die Elternzeit-Initiative, welche von einem sehr kleinen Verein mit einer Handvoll Mitgliedern mit vielen ungebundenen Personen via Internet die Eckwerte definieren will.

Was wünschst du dir für den Nationalrat für eine Veränderung durch die nächsten Wahlen?
Ich möchte einmal eine linke Mehrheit im Nationalrat erleben, in welcher beide Geschlechter gleichberechtigt vertreten sind und wir mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie machen. Am liebsten ist mir persönlich aber gar keine Veränderung: Ich möchte den Kanton Bern, die Arbeitnehmenden, und die Region Oberaargau weiterhin im Nationalrat vertreten. Danke für die Unterstützung!