Christine Blum

Interview mit Christine Blum

Von Michèle Nufer

Was tust du, um die Erde für die nächste Generation zu erhalten?
Christine: Ich achte privat schon lange darauf, dass ich Entscheidungen treffe, die gut sind für die Natur. Der Garten ist eine Leidenschaft von mir – dort treffe ich mittlerweile eine grosse Vielfalt von Insekten an, die von der Biodiversität profitieren. Auch Recycling ist mir ein grosses Anliegen.  Und wenn ich Ferienreisen unternehme, ist mir die Umweltverträglichkeit wichtig. Deshalb bin ich sehr oft mit dem Velo und dem ÖV unterwegs, ich fliege nur äusserst selten. So leiste ich privat meinen Teil. Wenn es politische Vorstösse und Initiativen in diesem Bereich gibt, unterstütze ich diese. Als Grossrätin des Kantons Bern stimme ich eher radikal, wenn Massnahmen zugunsten der Natur beschlossen werden.

Welche Veränderungen in der Gesellschaft wünschst du dir für deine Kinder und Enkel?
Christine: Ich habe bereits drei Enkelkinder. Ich wünsche mir für sie eine integrative Gesellschaft, in der es keine Rolle spielt, welche Voraussetzungen jemand mitbringt in Bezug auf Geschlecht und Herkunft. Alle Kinder sollen in heterogen ausgerichteten Schulklassen und in der Gesellschaft ihren Platz finden können.

Allgemein wünsche ich mir für die Gesellschaft, dass das Zusammenleben und die gegenseitige Hilfe wichtiger werden, und dass der Profit einen anderen Stellenwert erhält. Soziale Beziehungen sollen gestärkt werden und die Produktivität soll weniger im Vordergrund stehen. Diese Entwicklung sehe ich auch im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung, die weniger effektive Arbeitskraft verlangt.

Welche Veränderungen machen dir denn jetzt schon Mut?
Ganz konkret sind es jetzt die Klimademos der Jugend. Klar ist es eine Modewelle, aber für mich unterscheidet sie sich deutlich von früheren Trends. Noch vor 15 Jahren stand der Konsum sehr im Mittelpunkt. Jetzt gibt es Junge, die sich Sorgen machen um die Zukunft und die auch bereit sind, sich dafür einzuschränken.

Welche Veränderungen in der Gesellschaft machen dir denn Sorgen?
Christine: Ich erlebe momentan die Radikalisierung als negativ. Mir macht Sorgen, dass man oft nur noch Gehör erhält, wenn man eine extreme Position vertritt. Ich beobachte, wie die Mitteilungsflut in den sozialen Medien zunimmt. Gleichzeitig werden gute Gespräche seltener und Zwischentöne gehen verloren. Man trifft sich seltener und die Gelegenheiten, sich zu gesellschaftspolitischen Fragen auszutauschen, nehmen ab. Im Bereich der direkten Kontakte beobachte ich eine Verarmung.

Welche Veränderungen wünschst du dir für den Nationalrat durch die Wahlen im Herbst 2019?
Christine: Die letzten vier Jahre waren geprägt von der Mehrheit der rechtsgerichteten Parteien. Jetzt ist es an der Zeit, dieses Schwergewicht zu verschieben. Mitte-Links sollen zulegen, sodass es mehr Entscheide geben kann, die sozial- und klimafreundlich sind. Ich wünsche mir auch endlich gute Lösungen in Bezug auf Frauenförderung. All diese Themen wurden in der letzten Legislatur fast nur blockiert, was von mir aus gesehen stark mit dem Lobbying von Industrie, Hausbesitzern und Anderen zu tun hat.