Roland Loser

Interview mit Roland Loser

Von Michèle Nufer

Was tust du, um unsere Erde für die nächste Generation zu erhalten?
Roland: Grundsätzlich müssen wir uns bewusst sein, dass wir als Bewohner der Schweiz alle in der Umweltschuld stehen, auch wenn wir auf unser Verhalten achten. Was ich nicht tue, ist Autofahren, da ich nicht Autofahren kann – ich pendle aber täglich mit dem Zug nach Bern. Flugreisen versuche ich zu vermeiden. Ich bin Eigenheimbesitzer eines Holzhauses, welches zwar CO2 speichert, aber sicher weniger sinnvoll ist als beispielsweise ein Mehrfamilienhaus. Lokal und national möchte ich mich dafür einsetzen, dass wir die neuen Technologien nutzen, um erneuerbare Energie zu gewinnen. In diesem Zusammenhang faszinieren mich Angebote wie jenes des Unternehmens Unity.

Was wünschst du dir für eine Veränderung für den Nationalrat durch die nächsten Wahlen?
Roland: Natürlich wünsche ich mir diesen „Linksrutsch“, so dass wir gemeinsam mit den Grünen oder auch mit anderen Mitteparteien wieder in einer besseren Position wären. Andererseits muss man realistisch sein und sagen, dieser Rutsch würde zwar die absolute Mehrheit der rechtsbürgerlichen Parteien brechen, aber das Finden von Lösungen nicht unbedingt vereinfachen.
Es braucht auch neue Leute mit neuen Ideen, die progressiver denken und handeln. Insofern begrüsse ich auch Bewegungen wie die Operation Libero, die versucht, über alle Parteien hinweg Leute zu finden, die nicht nur „stur“ auf einer Linie politisieren, sondern auch in Bezug auf Europapolitik etwas pragmatischer eingestellt sind.

Die Zukunft wird viele Herausforderungen bringen, beispielsweise die Digitalisierung. Davon spricht man schon lange, die Effekte sind bis jetzt noch nicht so stark spürbar. Wenn sie aber stärker werden, können wir mit einer dogmatischen Haltung nicht mehr weiterkommen, dann braucht es wirklich neue Lösungen. Dieser Wandel ist unaufhaltsam und wir müssen Antworten darauf finden.

Welche Veränderungen in der Gesellschaft machen dir Sorgen, welche machen dir Mut?
Roland: Sorgen macht mir die Abspaltung in der europäischen Politik – namentlich jene der Italiener, der Engländer und der Oststaaten, die alle eher populistisch und rechtsnational unterwegs sind. Ihnen allen fehlt die Einsicht, wie wichtig die EU trotz all ihren Schwächen und Mängel für den Frieden doch ist. Der Brexit ist aus meiner Sicht die absolute Katastrophe.

Ich bin aber eigentlich kein Kulturpessimist. Aus meiner Sicht war früher nicht alles besser und heute alles schlecht. Natürlich ist heute vieles immer noch nicht gut – es gibt zahlreiche schlimme Konflikte. Trotzdem denke ich, dass es im Grossen und Ganzen auch weltweit gesehen besser ist als vor 50 Jahren. Auch in Europa haben wir wahrscheinlich nie in einer friedlicheren Zeit gelebt als jetzt, auch wenn uns das manchmal anders erscheint. Ich bin auch nicht einer, der über die Jungen mit ihren Handys wettert. Ich erlebe die jungen Leute als sehr motiviert. Natürlich haben sie ein anderes Bild vom Leben als meine Generation, aber ich bin zuversichtlich, dass es gut kommt. Man sagt oft, die Kinder könnten heute nicht mehr lesen, schreiben und rechnen. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, aber sie können dafür andere Dinge besser, als wir das konnten. Das fällt mir oft auf, wenn ich beispielsweise Konfirmationen besuche und erlebe, dass alle Jugendlichen in der Lage sind, vor Leuten zu stehen und zu reden – das war zu unserer Zeit nicht so.

Wie ist deine typische Wählerin, dein typischer Wähler?
Roland: Natürlich ist es eher jemand, der etwas „links“ denkt. Ich hoffe aber auch, Leute ansprechen zu können, die nicht klassischerweise nur SP wählen, sondern die auch Freude am Leben haben und über sich selbst lachen können. Auch unsere Partei wirkt manchmal etwas lustfeindlich und steif, dabei stehe ich oft zwischen Vernunft und Gefühl. Ich hoffe, meine Wählerinnen und Wähler haben auch etwas Humor.